Heizungswasser ablassen und nachfüllen

Heizungswasser ablassen und nachfuellen

Der Anlagendruck ist gefallen, Heizkörper im Obergeschoss bleiben kalt. Nachfüllen ist die naheliegende Reaktion und meist auch richtig. Wichtiger als die Handgriffe ist aber die Frage, warum der Druck überhaupt gesunken ist.

Warum häufiges Nachfüllen schädlich ist

Frisches Leitungswasser enthält gelösten Sauerstoff. In einem geschlossenen Heizsystem wird dieser Sauerstoff einmalig verbraucht — er reagiert mit den Stahlflächen der Heizkörper und bildet eine dünne Oxidschicht. Danach ist Ruhe.

Wer aber alle paar Wochen nachfüllt, bringt immer wieder neuen Sauerstoff ein. Die Folgen:

  • Korrosion an Stahlheizkörpern von innen
  • Schlammbildung, die sich unten im Heizkörper absetzt und die Wärmeabgabe blockiert
  • Verstopfte Ventile und Pumpen
  • Bei kalkhaltigem Wasser zusätzlich Kalkablagerungen an den heißesten Stellen

Ein Heizkörper, der oben warm und unten kalt wird, ist das klassische Bild dieser Verschlammung — siehe auch Heizkörper wird nicht warm.

Die Regel lautet deshalb: Ein bis zwei Mal pro Heizsaison nachfüllen ist normal. Muss man häufiger nachfüllen, liegt ein Problem vor — ein Leck oder ein defektes Ausdehnungsgefäß. Dann hilft kein Nachfüllen, sondern nur die Ursachenbeseitigung durch einen Fachbetrieb.

Den richtigen Druck kennen

Der nötige Druck hängt von der Gebäudehöhe ab. Grobe Orientierung:

Gebäude Richtwert (kalt)
Einfamilienhaus, 2 Geschosse 1,0 – 1,5 bar
3 Geschosse 1,5 – 2,0 bar
Mehrfamilienhaus nach Anlagenauslegung

Maßgeblich ist immer der am Kessel angegebene Sollwert — oft klebt ein Aufkleber an der Anlage oder das Manometer hat eine Markierung.

Nachfüllen: die Schritte

  1. Heizung ausschalten und abkühlen lassen. Warmes Wasser dehnt sich aus, der abgelesene Druck wäre sonst zu hoch.
  2. Füllschlauch anschließen. Am Kesselfüllhahn und am Wasseranschluss. Den Schlauch zuerst mit Wasser füllen, damit keine Luft eingebracht wird.
  3. Langsam öffnen und das Manometer beobachten.
  4. Bei Erreichen des Sollwerts schließen — zuerst den Wasserhahn, dann den Füllhahn.
  5. Schlauch abnehmen. Ihn dauerhaft angeschlossen zu lassen ist nicht zulässig.
  6. Alle Heizkörper entlüften — beim Nachfüllen gelangt fast immer Luft ins System. Anleitung im Beitrag zum Entlüften.
  7. Druck erneut prüfen. Nach dem Entlüften ist er meist gefallen; gegebenenfalls nochmals nachfüllen.

Ablassen — wann und wie

Wasser ablassen müssen Sie, wenn ein Heizkörper demontiert wird und keine Absperrventile vorhanden sind, oder wenn der Druck zu hoch ist.

  1. Anlage abkühlen lassen.
  2. Am tiefsten Punkt ablassen — meist ein Kugelhahn am Kessel oder am untersten Heizkörper.
  3. Schlauch in einen Eimer und langsam öffnen. Heizungswasser ist dunkel und färbt.
  4. Zum Belüften ein Entlüftungsventil im obersten Heizkörper öffnen, sonst läuft nichts ab.
  5. Nur so viel ablassen wie nötig — jeder Liter muss später als sauerstoffhaltiges Frischwasser ersetzt werden.

Wenn nur ein einzelner Heizkörper abgenommen wird, sperren Sie ihn an Thermostatventil und Rücklaufverschraubung ab. Dann bleibt der Rest der Anlage gefüllt. Wie Sie dabei sauber abdichten, steht im Beitrag zum Abdichten von Anschlüssen.

Was ins System gehört

Für viele Anlagen — besonders mit Wärmepumpe, Aluminiumbauteilen oder größerem Wasserinhalt — gelten Anforderungen an die Heizwasserqualität: Enthärtung, Entsalzung oder pH-Einstellung. Ob das für Ihre Anlage gilt, steht in der Herstellerdokumentation. Bei Unsicherheit fragen Sie den Fachbetrieb, bevor Sie mit Leitungswasser auffüllen — bei manchen Anlagen kann sonst die Gewährleistung entfallen.

Elektrisch betriebene Heizkörper sind ein Sonderfall: Sie werden nicht mit Wasser, sondern mit Thermoflüssigkeit befüllt. Details im Beitrag zum Befüllen elektrischer Badheizkörper.

Kurz gefasst

Nachfüllen bei kalter Anlage, danach entlüften und Druck erneut prüfen. Wenn Sie öfter als zweimal pro Saison nachfüllen müssen, suchen Sie die Ursache, statt weiter Wasser einzufüllen — sonst zerstören Sie über die Jahre genau die Heizkörper, die Sie warm halten wollen.