Wenn ein Heizkörper im Erdgeschoss glühend heiß wird, während der im Obergeschoss lauwarm bleibt, liegt das selten an der Heizung selbst. Es liegt an der Verteilung. Heizwasser sucht sich wie Strom den Weg des geringsten Widerstands — und das ist der kurze Weg zum nächstgelegenen Heizkörper. Der hydraulische Abgleich stellt jedem Heizkörper genau den Volumenstrom ein, den er braucht.
Woran Sie erkennen, dass der Abgleich fehlt
- Räume weit weg vom Heizraum werden deutlich später warm.
- Einzelne Heizkörper werden nur im oberen Bereich warm, obwohl entlüftet wurde.
- Fließgeräusche an den Ventilen, besonders wenn die Anlage anspringt.
- Die Vorlauftemperatur muss hoch bleiben, weil sonst ein Raum nicht warm wird.
- Die Umwälzpumpe läuft auf hoher Stufe, um überhaupt überall Wärme hinzubekommen.
Der letzte Punkt ist der teuerste: Eine zu hoch eingestellte Pumpe verbraucht dauerhaft Strom und erzeugt zusätzlich Geräusche.
Verfahren A oder B — was ist der Unterschied?
Es gibt zwei anerkannte Vorgehensweisen:
- Verfahren A schätzt die Heizlast überschlägig aus Raumgröße und Gebäudetyp. Schneller, ungenauer, für Förderanträge oft nicht ausreichend.
- Verfahren B berechnet die Heizlast raumweise nach DIN EN 12831 und leitet daraus die Voreinstellwerte ab. Aufwendiger, aber genauer — und bei Förderprogrammen in der Regel vorgeschrieben.
Für die reine Verbesserung im eigenen Haus reicht Verfahren A meist aus. Wenn Sie eine Förderung beantragen, prüfen Sie vorher die Anforderungen — die Details dazu stehen in unserem Beitrag zur Förderung beim Heizungstausch.
Die vier Schritte
1. Heizlast je Raum ermitteln
Für jeden Raum brauchen Sie den Wärmebedarf in Watt. Überschlägig rechnen Sie Fläche × Wert nach Dämmstandard: etwa 40 W/m² im Neubau, 60 W/m² im sanierten Bestand, 90 bis 120 W/m² im ungedämmten Altbau. Bequemer geht es mit unserem Heizlastrechner, der die gängigen Gebäudetypen bereits hinterlegt hat.
2. Volumenstrom berechnen
Aus der Heizlast ergibt sich der nötige Durchfluss. Die Formel lautet:
Volumenstrom (l/h) = Heizlast (W) ÷ (1,163 × Spreizung in K)
Beispiel: Ein Raum mit 1.200 W Heizlast und einer Spreizung von 10 K braucht 1.200 ÷ (1,163 × 10) = rund 103 l/h. Bei einer Wärmepumpe mit 5 K Spreizung wären es bereits 206 l/h — deshalb sind dort größere Ventile und Rohrquerschnitte oft nötig.
3. Voreinstellwert am Ventil setzen
Voreinstellbare Thermostatventile haben einen Ring oder eine Skala unter dem Thermostatkopf, meist mit Zahlen von 1 bis 8 oder N. Welche Zahl zu welchem Volumenstrom gehört, steht im Datenblatt des Ventilherstellers — die Werte sind nicht übertragbar zwischen Fabrikaten.
Haben Ihre Heizkörper keine voreinstellbaren Ventile, lässt sich der Abgleich nicht sauber durchführen. Der Austausch ist überschaubar: Passende Thermostatventile und Hahnblöcke finden Sie in unserem Zubehör, die Vorgehensweise beschreibt unsere Anleitung zum Thermostatventil-Wechsel.
4. Pumpe und Vorlauftemperatur nachziehen
Nach dem Abgleich können Sie die Umwälzpumpe eine Stufe niedriger stellen und die Vorlauftemperatur absenken. Genau hier entsteht die Ersparnis — der Abgleich allein spart wenig, er ist die Voraussetzung dafür, dass die Absenkung überhaupt funktioniert. Wie Sie dabei vorgehen, steht in unserer Anleitung zur Heizkurve.
Was Sie selbst machen können — und was nicht
Die Voreinstellung an den Ventilen zu ändern, ist handwerklich einfach und erfordert kein Ablassen des Heizwassers. Die Berechnung können Sie mit etwas Geduld ebenfalls selbst durchführen.
Fachbetrieb sinnvoll oder nötig bei:
- Förderanträgen mit Nachweispflicht nach Verfahren B
- Fußbodenheizung im Verbund mit Heizkörpern
- Einrohrsystemen — dort gelten andere Regeln, siehe Einrohr- oder Zweirohrsystem
- Anlagen mit mehreren Heizkreisen und Mischern
Realistische Erwartung
Ein sauber durchgeführter Abgleich bringt in typischen Bestandsgebäuden eine Einsparung im mittleren einstelligen Prozentbereich, in ungünstig verteilten Anlagen auch mehr. Der größere Gewinn ist der Komfort: Alle Räume werden gleichmäßig warm, die Geräusche verschwinden, und die Anlage lässt sich anschließend auf eine niedrigere Vorlauftemperatur bringen.
Wenn dabei herauskommt, dass ein Heizkörper schlicht zu klein ist, hilft kein Abgleich — dann muss ein größerer her. Welche Leistung nötig ist, ermittelt der Heizkörper-Finder samt passender Modellvorschläge.