Die meisten Heizungen in Deutschland sind Zweirohrsysteme. In Gebäuden der 1960er- bis 1980er-Jahre — und in vielen Mehrfamilienhäusern — finden sich aber Einrohrsysteme. Der Unterschied ist grundlegend und hat direkte Folgen für jeden Heizkörpertausch.
So funktionieren die beiden Systeme
Zweirohrsystem
Jeder Heizkörper bekommt über den Vorlauf frisches heißes Wasser und gibt das abgekühlte Wasser in einen separaten Rücklauf ab. Alle Heizkörper erhalten dieselbe Vorlauftemperatur — unabhängig von ihrer Position im Strang.
Einrohrsystem
Alle Heizkörper hängen an einer einzigen Ringleitung. Das Wasser durchläuft sie nacheinander. Ein Teil des Volumenstroms fließt durch den Heizkörper, der Rest an ihm vorbei und mischt sich hinter ihm wieder mit dem abgekühlten Wasser.
Die Folge: Jeder weitere Heizkörper im Ring bekommt kühleres Wasser. Der letzte im Strang arbeitet mit deutlich niedrigerer Temperatur als der erste — deshalb wurden dort früher größere Heizkörper eingebaut.
Woran Sie Ihr System erkennen
- Zwei Rohre am Heizkörper, die in unterschiedliche Richtungen weiterlaufen → Zweirohrsystem.
- Ein durchgehendes Rohr, von dem zwei kurze Stichleitungen zum Heizkörper abzweigen → Einrohrsystem.
- Ein Vierwege-Ventil oder ein auffällig großes Anschlussstück mit vier Anschlüssen → deutliches Indiz für Einrohr.
- Der letzte Heizkörper im Raum ist auffällig größer als vergleichbare → typisch für Einrohr.
- Beim Zudrehen eines Heizkörpers werden andere im Strang wärmer → Einrohr.
Was das für den Austausch bedeutet
Im Zweirohrsystem ist ein Heizkörpertausch unkritisch: neuer Heizkörper mit passendem Nabenabstand, Ventil, fertig.
Im Einrohrsystem gilt zusätzlich:
- Die Bypass-Funktion muss erhalten bleiben. Sie brauchen ein Einrohr-Anschlussstück, das den Teilstrom am Heizkörper vorbeiführt. Ein normales Thermostatventil würde beim Zudrehen den gesamten Strang blockieren.
- Die Position im Strang zählt. Ein Heizkörper am Ende des Rings braucht bei gleicher Raumgröße mehr Fläche als einer am Anfang.
- Größer ist nicht automatisch besser. Ein deutlich größerer Heizkörper entzieht dem Strang mehr Wärme — die nachfolgenden Räume bekommen dann weniger.
Genau deshalb ist hier fachlicher Rat sinnvoll. Passende Anschlussarmaturen finden Sie unter Zubehör und Ventile; welche Anschlussarten es grundsätzlich gibt, steht in der Übersicht der Anschlussarten.
Einrohrsystem und Wärmepumpe
Das ist die schwierigste Kombination. Eine Wärmepumpe will eine möglichst niedrige Vorlauftemperatur — das Einrohrsystem braucht aber eine hohe, damit auch der letzte Heizkörper im Ring noch genug Wärme bekommt.
Mögliche Wege:
- Strang teilen. Aus einem langen Ring werden zwei kürzere, wodurch die Temperaturspreizung im Strang sinkt.
- Umbau auf Zweirohr. Die sauberste, aber aufwendigste Lösung — meist nur bei ohnehin anstehender Sanierung sinnvoll.
- Gezielte Vergrößerung der hinteren Heizkörper. Der pragmatischste Kompromiss: Die letzten Heizkörper im Ring bekommen deutlich mehr Fläche.
Was der einzelne Heizkörper bei einer gegebenen Temperatur leisten muss, rechnet der Wärmepumpen-Check aus. Beachten Sie dabei, dass Sie im Einrohrsystem für die hinteren Heizkörper mit einer niedrigeren tatsächlichen Vorlauftemperatur rechnen müssen als der Kessel liefert.
Hydraulischer Abgleich im Einrohrsystem
Er funktioniert anders als im Zweirohrsystem: Statt Volumenströme je Heizkörper einzustellen, wird das Verhältnis zwischen Durchfluss durch den Heizkörper und Bypass geregelt. Die Berechnung ist komplexer und gehört in Fachhände. Grundlagen dazu in unserer Anleitung zum hydraulischen Abgleich.
Kurz gefasst
Prüfen Sie vor jedem Heizkörpertausch, welches System Sie haben — der Blick auf die Rohrführung genügt meist. Im Einrohrsystem brauchen Sie spezielle Anschlussstücke und müssen die Position im Strang berücksichtigen. Im Zweirohrsystem ist der Tausch dagegen unkompliziert; passende Modelle finden Sie unter Austauschheizkörper.