Heizkörper im Schlafzimmer: welche Temperatur ist richtig?

Heizkoerper im Schlafzimmer: welche Temperatur ist richtig?

Beim Schlafzimmer gehen die Meinungen weiter auseinander als bei jedem anderen Raum. Die einen heizen gar nicht, die anderen halten es wie im Wohnzimmer. Aus bauphysikalischer Sicht gibt es einen recht klaren Korridor — und ein häufiges, teures Missverständnis.

Die empfohlene Temperatur

Als Richtwert für das Schlafzimmer gelten 16 bis 18 °C. Kühlere Luft unterstützt das Absinken der Körperkerntemperatur, das zum Einschlafen gehört. Deutlich unter 16 °C wird es für die meisten Menschen unbehaglich, und die Bauphysik wird kritisch.

Zum Vergleich die üblichen Richtwerte:

Raum Richtwert
Badezimmer 24 °C
Wohnzimmer 20 – 22 °C
Küche 18 – 20 °C
Schlafzimmer 16 – 18 °C
Flur 15 – 18 °C

Der teure Denkfehler: Heizkörper ganz zudrehen

Wer das Schlafzimmer komplett auskühlen lässt und die Tür zum beheizten Flur offen stehen hat, produziert ein bauphysikalisches Problem. Warme, feuchte Luft strömt in den kalten Raum, kühlt an den Außenwänden ab und gibt dort ihre Feuchtigkeit ab. Genau so entsteht Schimmel — bevorzugt in den Zimmerecken hinter dem Schrank.

Dazu kommt: Ein vollständig ausgekühlter Raum muss anschließend mit hohem Aufwand wieder aufgeheizt werden. Die vermeintliche Ersparnis kehrt sich häufig um.

Die Regel lautet daher: Schlafzimmer kühler halten, aber nie ganz abdrehen — und die Tür zu wärmeren Räumen geschlossen halten. Stellung 2 am Thermostat entspricht bei den meisten Ventilen etwa 16 °C, Stellung 3 etwa 20 °C. Details dazu in unserem Beitrag zum Thermostat richtig einstellen.

Richtig lüften statt dauerkippen

Schlafende Menschen geben pro Nacht mehrere hundert Milliliter Wasser an die Raumluft ab. Diese Feuchtigkeit muss raus. Das gekippte Fenster ist dafür die schlechteste Variante: Es kühlt die Laibung dauerhaft aus und tauscht kaum Luft.

Besser ist Stoßlüften — morgens nach dem Aufstehen fünf bis zehn Minuten weit geöffnet, Thermostat währenddessen zurückdrehen. Bei Außenwänden mit Schimmelvorgeschichte lohnt zusätzlich abends eine kurze Lüftung.

Welcher Heizkörper passt ins Schlafzimmer

Weil die Zieltemperatur niedriger liegt, fällt die Heizlast kleiner aus als in Wohnräumen gleicher Größe. Für einen typischen 14-m²-Raum im sanierten Bestand landen Sie überschlägig bei 600 bis 800 Watt. Der Heizlastrechner liefert Ihnen den Wert für Ihre Situation.

Worauf Sie im Schlafzimmer besonders achten sollten:

  • Geräuscharmut. Gluckern oder Knacken fällt nachts massiv auf. Ein sauber entlüfteter Heizkörper und ein hydraulischer Abgleich lösen das in fast allen Fällen — siehe unser Beitrag zu Geräuschen am Heizkörper.
  • Kein Gebläse. Was in anderen Räumen funktioniert, stört hier zuverlässig.
  • Platzierung unter dem Fenster, wenn möglich. Der aufsteigende Warmluftschleier verhindert, dass kalte Luft über den Boden ins Bett zieht.
  • Flache Bauform, wenn das Bett oder ein Schrank in der Nähe steht. Verdeckte Heizkörper verlieren Leistung.

Passende horizontale und vertikale Modelle finden Sie unter Wohnraumheizkörper.

Wärmepumpe im Schlafzimmer

Erfreulicherweise ist das Schlafzimmer bei einer Umstellung auf Wärmepumpe fast nie das Problem. Die niedrige Zieltemperatur bedeutet eine größere Übertemperatur und damit mehr Leistung aus demselben Heizkörper. Kritisch sind Bad und Wohnzimmer — welche Räume Sie zuerst prüfen sollten, steht im Beitrag zur Tauschreihenfolge.

Kurz gefasst

16 bis 18 °C anpeilen, nie ganz abdrehen, Tür zu wärmeren Räumen geschlossen halten und morgens stoßlüften. Der Heizkörper darf klein sein — er muss nur leise arbeiten und frei stehen.